Mittwoch, 18. April 2018

Zum Tod von Miloš Forman (1932-2018)


Miloš Forman wurde 86 Jahre alt. In diesen 86 Jahren konnte er nicht seinen Monica-Lewinsky-Film verwirklichen. Ein Monica-Lewinsky-Film von Miloš Forman wäre ein Miloš-Forman-Film geworden. In einem Monica-Lewinsky-Film hätte Miloš Forman seine Themen bearbeiten und vertiefen können: Unterdrückung, Begehren, Mythos. Liebes- und Lebensbiografien. Forman war ein Entdecker, der in den mikroskopischen Reizpunkten des Menschlichen kramte. Er suchte darin nach den Optionen autonomen Handelns inmitten angekratzter Würde. Aber sein Werk, das Werk eines ebenso sensiblen Beobachters wie schneidigen Erzählers, bleibt uns als Kino erhalten, das die Nuancen liebte und dabei das Sag- und Machbare hinterfragte. Formans Werk war kein "Kuckucksnest", in dem einer seiner berühmtesten Filme spielt. Die Totalität des Filmemachens entsprach Formans Prinzipien nicht. Das Verschlüsselte, das Kryptische – Formans Filme sind, demgegenüber, vielmehr ethische Erzählungen, die in ihren offenen Wunden uns die Bürde des Engagements vermitteln. 

Und Geschichten erzählte er, die konnte er unnachahmlich erzählen: "Da muss immer noch etwas anderes in der Geschichte stecken." Forman erzählte Geschichten über Sinnkrisen ("Taking Off"), psychisch Kranke ("Einer flog über das Kuckucksnest"), Hippies ("Hair"), Michael-Kohlhaas-Untergangsuntergeher ("Ragtime"), Genies ("Amadeus"), Pornoverleger ("Larry Flynt") und Komiker ("Der Mondmann"). Ausladend waren seine Geschichten, epochal, zerrissen – wie man will. "Die Versiegelung der Zeit" heißt ein Tarkowskij-Buch, es zeigt, wie präsent "Zeit" im Film sein kann, wie sehr Signatur, wie sehr schaffendes Moment und wie sehr organische Komposition, und in Miloš Formans Filmen ist "Zeit" unweigerlich. Er reflektierte das Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie der 60er und der 70er Jahre, machte Rast im Wien der 1820er Jahre und besuchte Spanien gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Nacherzählungen kamen dabei nie heraus. Durch alle Maskierungen hindurch suchten Formans Protagonisten (meist anarchisch) ihr Kostüm.

Formans Eltern starben früh. Die Mutter in Auschwitz, der Vater in Mittelbau-Dora. Die Zielgerichtetheit von Menschen, die, obgleich eingeschlossen und weggeschlossen, dennoch "etwas wagen", repräsentiert den Siedepunkt von Formans Schaffen. Bereits in der experimentierfreudigen Nová Vlna, der tschechoslowakischen Neuen Welle, drehte der Avantgardist eines lebensklugeren Kinos soziale Traktate als Kritik an despotischen Strukturen zwischen "amüsanter Absurdität und selbstironischer Melancholie" (Andreas Rauscher). Filme wie "Der schwarze Peter" (1963) und "Der Feuerwehrball" (1967) stehen einer Lust auf einer "existenzialistischen Weltbühne" (Rauscher) gegenüber. Lange bevor Formans Helden wissen, dass sie eine Heldenrolle spielen, überbieten sie sich gegenseitig – und zweifellos spiegelt sich in Miloš Forman eine Glasscherbe von jedem seiner Helden. Sei es die Tragikomik des Ungehorsamen, sei es die adoleszente Naivität, das Publikum zum Lachen zu animieren, sei es die Verletzlichkeit oder sei es die Angst vor der Vernichtung. 

Die sich im Angesicht des Nationalsozialismus eingebrannten Lebenserfahrungen Formans zeigen sich in einem Kino institutioneller Zwänge, und keiner als Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson) wird dem Grenzgänger Miloš Forman mehr gerecht: Randle Patrick McMurphy ist eingesperrt und ausgesperrt, wird pathologisiert und hofiert die Freiheit. Von einem Spielfeld zum nächsten. Tischtennis. Pingpong. Und immer liegt der Schatten geistiger Kapitulation, geistiger Rache, geistiger Zerstörung vor und hinter McMurphy. Das System schlägt zurück, schlägt die Individualität, die Freiheit. Vordergründig politisch sind Formans Filme jedoch nicht. Dafür ist er nicht genug Wissenschaftler und Menschenparkwächter, sondern zur Genüge Menschenliebhaber, um jene anzuhören, die selten angehört werden. Miloš Forman weiß um die hintersten Persönlichkeitswinkel seiner Menschen, um die Unerfülltheit ihrer Bedürfnisse. Er weiß um die "nackte Wahrheit" eines Gefühls, das sich immerzu spaltet, aufspaltet – zur Schönheit existenzieller Empathie. 

Miloš Forman wurde 86 Jahre alt. Jetzt hat er Urlaub.

Mittwoch, 11. April 2018

"Transit" [D, F 2018]


Wenn Geschichte in die Gegenwart hineinwirkt, dann erinnert sie uns fatalistisch an die Erschütterungen einer grauen Vorzeit – Narben, die nimmer verheilen, verheilen wollen. Christian Petzold verschiebt das Vergangene nicht in das Historische, entmündigt es nicht mit einem Schlussstrich. Das ist das Übergreifende seines Films "Transit". Er verlegt stattdessen den gleichnamigen Exilroman von Anna Seghers in das heutige (Exil-)Marseille, und damit ist "Transit" zwar eine Geschichte über Geflüchtete und Flüchtende, aber keine historisch gebundene Erzählung Geflüchteter und Flüchtender während des Zweiten Weltkriegs. Petzold erweitert, "universalisiert" quasi Seghers' gefühliges Stück Zeitgeschichte zu einer aktualisierten Parabel der Unsichtbarkeit inmitten der Bedrohung. Geschichte ist in "Transit" narrative Identität, Wiederherstellung und Dekonstruktion von Zeit gleichermaßen – für Petzold ist jener historische Spielfilm abgeschlossen, der von Kolorit und Kokolores benebelt scheint und nicht danach fragt, warum wir uns dieser Zeit immer wieder stellen und wie sie unser Heute prägt, ja im Hier und Jetzt fortlebt. 

Franz Rogowski spielt Georg, der an die Hinterlassenschaften des (toten) Schriftstellers Weidel gelangt und sich fortan in (s)einer Geschichte bewegt – in seinem Leben, in seiner Biografie, in seiner Zeit. Und diese Zeit ist gleich gegenüber der vergangenen Zeit. Georg, ein Aussätziger "minderen Rechts", taumelt darin, läuft Gefahr, aufgesammelt und abgeschoben zu werden. Immer der Blick nach draußen und nach hinten, durch das Fenster, über die Schulter. Er wartet auf das Schiff, um mit diesem nach Mexiko zu entkommen. Die Parallelen zwischen der nackten Existenz im Faschismus und der nackten Existenz in vorübergehenden Auffangstationen, die kurzzeitig Asyl gewähren, sind frappant: Obwohl Rogowski seine Figur mit einer sensiblen und außerweltlichen Müdigkeit überzieht (seine Stimme knarzt in den letzten Tönen der zu spät Gestrandeten), explodieren die Geräusche, Fanale des Bruchs und willkürlichen Einbruchs, umso schwerer. Das Blaulicht, aggressiv unterstützt es dessen durchdringende Sirenen. Georg wartet in einer existenzialistischen Nebengasse der Ungewissheit, in einem biopolitischen Raum passiver Entmachtung. 

Nichtsdestotrotz blühen die Geschichten dort, in Marseille. Georg hört sie ständig, Geschichten von einer eleganten Hundebesitzerin (Barbara Auer), von einem Dirigenten (Justus von Dohnányi), der Tag um Tag die geforderten zwölf Passbilder abzählt. Das Mittel gegen die Verlorenheit – es sind die Geschichten, die reinen und reinigenden, jene, die die Zeit überbrücken, ablenken, sich anvertrauen. "Transit" ist ein literarischer Film, denn auch dessen auktorialer Erzähler übt sich in Wörtern auslassender, vergänglicher Annäherung. Als Georg durch Zufall die Identität Weidels annimmt, gelangt er in eine Position, selbst zu einer Geschichte, zu einem Mysterium zu werden. Worin sich Petzold von anderen deutschen Filmemachern unterscheidet, liegt in seinem außergewöhnlichen Blick, der niemals die wachen Wahrheiten von Poesie und Empfindung untergräbt. Egal, ob Georg Pizza isst, mit einem neuen kleinen Freund (Lilien Batman) das Standbein beim Fußball übt, ein Radio repariert oder ein Lied der Kindheit gebrochen anstimmt – in "Transit" betonen die Dinge das Derzeitige, das erlebt werden muss, ehe es sich löst und verschwindet. 

Wenn "Transit" über das Warten erzählt, während das Schokoladeneis schmilzt, dann erzählt der Film gleichzeitig über die Ungeduld und Raserei, nicht mehr warten zu können. Paula Beer spielt Marie, die Ehefrau Weidels. Wo Georg die Strömungen der Niederlage(n) stumm erträgt, bewegt sich Marie vergessen durch die Zeit, nicht nur ein Schritt nach dem anderen, sondern Schritte überspringend. Sie wirbelt, macht Halt, fragt, drängt – sinnlich. Georg verliebt sich in sie, wohingegen sie auf ihren Mann wartet, ausharrt, es nicht mehr erträgt. Soll Georg ihr die Wahrheit sagen? Soll Marie mit Georg abreisen? Die Diskrepanz zwischen Täuschung und Verlangen mündet in einem unauflösbaren moralischen Konflikt, der einige andere Petzold-Filme zuvor (wie "Phoenix") charakterisierte. Die Heimat, was auch immer das sein mag, ist fremd geworden in diesem Film, da sie sich von Ort zu Ort weiterträgt, kurzfristig anbrandet, dann wieder zergeht. Voller menschlicher Anteilnahme, umhüllt Petzold das, was wir fühlen, in verwunschene Magie. Ein Meisterwerk.

8 | 10

Freitag, 6. April 2018

Gesehenes - März 2018


"The Handmaid's Tale" //5
(USA 2017 | Season 1)

"The End of the F***ing World" //6
(GB 2017 | Season 1; Netflix)

"Everything Sucks!" //6.5
(USA 2018 | Season 1; Netflix)

TV-Folge: "Altered Carbon" - 1x01 | "Out of the Past" (Reichte mir.)
(USA 2018 | Miguel Sapochnik; Netflix)

Kurzfilm: "Erde ohne Brot" //6
(E 1933 | Luis Buñuel; YouTube)

Kurzfilm: "Vive le tour" //6
(F 1962 | Louis Malle; YouTube)

Kurzfilm: "George Lucas in Love" //5
(USA 1999 | Joe Nussbaum; Vimeo)

Kurzfilm: "Dear Basketball" //5
(USA 2017 | Glen Keane; YouTube)

Dokumentation: "Ufos, Sex und Monster - Das wilde Kino des Roger Corman" //5
(USA 2011 | Alex Stapleton; DVD)

"Barry Lyndon" //10
(GB 1975 | Stanley Kubrick; Blu-ray)

"Full Metal Jacket" //8.5
(GB, USA 1987 | Stanley Kubrick; Blu-ray)

"Eyes Wide Shut" //10
(GB, USA 1999 | Stanley Kubrick; Blu-ray)

"Piranhas" //6
(USA 1978 | Joe Dante; Blu-ray)

"Matinée" //6
(USA 1993 | Joe Dante; Blu-ray)

"Ex Machina" //7
(GB 2015 | Alex Garland; Blu-ray)

"Auslöschung" //3
(USA, GB 2018 | Alex Garland; Netflix)

"Der Untertan" //5
(DDR 1951 | Wolfgang Staudte; YouTube)

"Teorema" //6
(I 1968 | Pier Paolo Pasolini; DVD)

"Der Stadtneurotiker" //6
(USA 1977 | Woody Allen; Netflix)

"Das Ritual" //6
(USA 1987 | John Schlesinger; Blu-ray)

"The Sect" //6
(I 1991 | Michele Soavi; Blu-ray)

"Auf die harte Tour" //7
(USA 1991 | John Badham; Verleih-DVD)

"Zodiac" //10
(USA 2007 | David Fincher; Director's Cut/Blu-ray)

"Nocturama" //5
(D, F, B 2016 | Bertrand Bonello; Netflix)

"Lady Bird" //7
(USA 2017 | Greta Gerwig; Kino)

"Song to Song" //3
(USA 2017 | Terrence Malick; Verleih-Blu-ray)

"Atomic Blonde" //5
(USA 2017 | David Leitch; Verleih-Blu-ray)

"Ready Player One" //6
(USA 2018 | Steven Spielberg; 3D/Kino)

Mittwoch, 4. April 2018

"Ready Player One" [USA 2018]


Wade Owen Watts (Tye Sheridan), genannt Parzival, ist frei in seinen Spielzügen, was auch der Grund dafür ist, warum das Individuum frei in seinen Spielzügen ist: Es ist klein, dürftig, belanglos, und erst in seinem Misstrauen gegenüber allem Festgefügten und Normierten erlangt es Größe, Heiligkeit, wird es ein Kunstwerk. In den 80er Jahren – eine tiefgreifende Medialisierung und Fetischisierung kennzeichnet dieses Jahrzehnt opernhafter Oberfläche – bildete sich eine Jugendkultur "auf der Basis des Empfindens, dass alles Große schon gelaufen ist." (Georg Seeßlen) Diese Epoche etablierte wagemutigere ästhetische Systeme, die die Wahrnehmung jener Intensitäten, jenes Abdriftens potenzierten, das als befreiender Akt im Medium die Botschaft (nach Marshall McLuhan) bereithielt. Wenn man will, kann man diesen Akt, diese Tat, dieses Risiko in "Ready Player One" erleben, und dies immersiv und performativ: in Gestalt einer wütenden Fragemaschine, die Schneisen in die Realität schlägt. Frag' mich, und die Antwort wird dich entsetzen. Frag' mich, und die Antworten werden genug Erlebnis sein. Genug Traum. Oder auch nicht. Hauptsache, du fragst. 

Nun stellt Steven Spielberg selten Fragen. Eher erwärmt er deren Antworten, und in "Ready Player One" ist es so, dass die Antworten am Bildrand, oben wie unten, rechts und links, aufflackern. King Kong, das "Akira"-Motorrad, der DeLorean sind Antworten, ebenso der Gigant aus dem All, Chucky und die Zwillinge des Overlook-Hotels. Sie alle sind Antworten auf die Frage, ob sich die Wirklichkeit nur noch in die Segmente gestriger Popeinfälle aufspaltet – und wie sich Jugendliche abnabelten, um mit Leib und Leben, Körper und Seele ihre Kindheit magisch simulierten, festhielten, einfroren. Obgleich Spielberg in früheren Filmen futuristische Weltenbaukonzepte bereiste – "A.I. – Künstliche Intelligenz", "Minority Report" zum Beispiel –, war sein Filmemachen ein ordnungsgemäß "naturalistisches", denn es widerstand den intertextuellen Daten- und Informationsströmen des postmodernen Filmemachens. Auf den großen Kinokassenerfolg schielte Spielberg nicht mehr. Er drehte kleine Filme der Umarmung, bei denen aber nicht das Kino, sondern der Mensch umarmt wird – vielleicht aber auch beides, und vielleicht bedeutet bei Spielberg gar das eine zugleich das andere.

"Ready Player One" ist möglicherweise Spielbergs erster postmoderner Film, weil dieser Film als der allererste Film Spielbergs an Tiefensinn einbüßt: Die mikrotechnologische Revolution befreite ein einheitliches Glaubensverständnis, pluralisierte Lebensformen und entlegitimierte das Private. Die Technik, im Film mit dem schillernden Namen OASIS, fungiert als Transformationszauberkasten, zu einer Biografie zu werden, anstatt sie erschöpfend entwerfen zu müssen. Um das Wahre, Wahrhaftige, um Wahrheit geht es in "Ready Player One" nicht mehr. Es geht um das Spiel. Nie zuvor ging es konsequenter um das Spielen. In drei Hauptattraktionen, die "Doc" James Donovan Halliday (Mark Rylance) als sein Erbe schuf, rauschen die Player der OASIS drei Schlüsseln hinterher, um ein Easter Egg zu finden, das über die Zukunft einer Welt, Hallidays Welt und Welten, bestimmt. Sowohl innerhalb einer turbulenten Autoraserei über Hindernisse und Monstermäuler als auch innerhalb des ausgewälzten Showdowns – einer Schlacht zwischen einer Unendlichkeitskette von Avataren – verstopft Spielberg Anklänge von Zusammenarbeit mit der Ablenkung durch das nicht mehr Sagbare.


Es liegt (auch) an Janusz Kaminskis schichtender, freidrehender Kamera, dass "Ready Player One", wenngleich der Zuschauer distanziert davorsitzt, die 80er Jahre erfolgreich und erlebensreich neubelebt, ohne sich im Nerdsein vollkommen zu verlieren. Sonst wäre dies ein manierierter Film aus den 90er Jahren geworden, eine Kopie, die das Gegenteil erreicht hätte von dem, was sie erreichen wollte: in ihrer Spießigkeit trist, in ihrer Liebe tumb, in ihrer Wertschätzung treudoof. Nicht so sehr der Eskapismus eines biomorphen Baukastens bereitet in Spielbergs Werk enthemmtes Feuer, sondern die vielen kleinen Klugscheißereien (über John Hughes) und den Fundus des Deutens. Spielbergs verlorene Kinder, die unter der Hand eines Fantasten erblühen, wirken selbst dann nicht fehl am Platz, wenn sie "Shining" interpretieren lernen – in Zimmer 237, im Ballsaal, inmitten von Blut und Verfall. "Ready Player One" schließlich ist eine Verschmelzungscharade des Versöhnlichen mit dem Beschönigenden, ebenso des Gewöhnlichen mit dem Außergewöhnlichen: reisefertig, gemeingefährlich. Spielberg war, so viel steht fest, der Filmemacher, Ernest Cline zu verstehen. 

Da "Ready Player One" in einem artifiziellen und mehrdimensionalen Universum spielt, kann Spielberg gleichwohl nicht jene Emotionen entfachen, die seinen Filmen sonst inhärent sind. Als Avatare erfüllen etwa Parzival, Art3mis (Olivia Cooke) und der lakonische i-R0k (T.J. Miller) ihren Zweck, mit ihren spezifischen Eigenschaften spezifische Gefahrensituationen zu bespielen. Aber ein Rest Langeweile bleibt, ein Rest Künstlichkeit, ein Rest Mechanik. Wie Marionetten lässt Spielberg seine User tanzen – die Stricke jedoch verhindern grundsätzliche Spielberg-Intimmagie ganz entscheidend, indem sich die Charaktere einer Fiktion stellen, die von ihnen hauptsächlich Handeln und Handlung verlangt, selten Stillstand, Zuwendung, Liebe (wie in einer schwerelosen Bee-Gees-Tanznummer, dem einzigen Moment transzendenter Vergegenwärtigung). Es ist dieses Lodernde und Welterschütternde, das in "Ready Player One" nicht gelingen will. Der Kreis schließt sich, so oder so: Mit Spielbergs erstem Film über digitale Masseninbesitznahme erschuf er seinen kältesten Film, einen fremdgesteuerten sogar, bei dem der Regisseur nie richtig das Herz entdeckt. Oder die Seele.

Bilder, die bleiben – das sind ironischerweise nicht Bilder der OASIS, vielmehr Bilder des "Realen" (ein fragiler Begriff, definitiv). Das Reale ist in "Ready Player One" dystopisch, reich an apathischen Menschen, Kreaturen gleich, die mit ihrer VR-Brille das letzte Stückchen Sinnerfüllung erspielen, oft herspielen. Wo das Künstliche zu künstlich erscheint, erscheint das Wirkliche zu gegenwärtig, und Spielberg hätte tatsächlich einen mutigeren postmodernen Zivilisationskommentar abgegeben, wäre er erwacht: Die Entgrenzung des Realen, das alptraumhaft in zwei Klassen vegetiert, wäre ein ausdrucksstarker Kontrast von Flucht, Verzweiflung und Ventil gewesen. So aber degradiert Spielberg diese zweite Welt zum randständigen Gimmick, das ominös anmutet. Wenn das Reale (einer, der Spielberg-Gemeinschaft), Fleischliche (ein Kuss), Mitfühlende (Tränen) dem Aseptischen vorzuziehen ist, verfehlt der Film seine Intention. Denn in dieser asymmetrischen Kopplung zwischen Witz und Tristesse hat Spielberg Gegenteiliges bewiesen: Das Wirkliche ist deprimierend, lustfeindlich, überlebenshart, während das Unwirkliche Zwischenräume entdeckt. Zwischenräume von wahrhaft unstillbarer identitätsstiftender Vernetzung.

6 | 10

Freitag, 30. März 2018

Die imposanten 7: Erstsichtungen 2017, Pech

7. Platz:


"Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi"
("Star Wars: Episode VIII - The Last Jedi", Rian Johnson | USA 2017)

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6. Platz:


"1984"
("Nineteen Eighty-Four", Michael Radford | USA 1984)

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5. Platz:


"Der Nachtmahr"
(Achim Bornhak | D 2015)

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4. Platz:


"La La Land"
(Damien Chazelle | USA 2016)

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3. Platz:


"High-Rise"
(Ben Wheatley | GB 2015)

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2. Platz:


"Hacksaw Ridge - Die Entscheidung"("Hacksaw Ridge", Mel Gibson | USA, GB 2016)
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1. Platz:


"Deadpool"
(Tim Miller | USA 2016)

Sonntag, 25. März 2018

Fernsehtipps Film (26.03. - 01.04.2018)


MONTAG, 26.03.2018

"Siebenmal lockt das Weib"
[00:45 Uhr, SWR]
(I, F, USA 1967 | Vittorio De Sica)

"Die Liebe in Zeiten der Cholera" [20:15 Uhr, ONE]
(USA 2007 | Mike Newell)

"Ein Mann in Nöten" [21:45 Uhr, Arte]
(F 1999 | Pascal Bonitzer)

"Vernehmung der Zeugen" [23:05 Uhr, MDR]
(DDR 1987 | Gunther Scholz)

"Frank" [23:20 Uhr, WDR]
(GB, USA, IRL 2014 | Lenny Abrahamson)

"Liebe auf Sibirisch" [23:25 Uhr, Arte]
(D, RUS 2017 | Olga Delane)

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DIENSTAG, 27.03.2018

"Insider" [00:20 Uhr, MDR]
(USA 1999 | Michael Mann)

"Cassandras Traum" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA, GB, F 2007 | Woody Allen)

"The Gift" [20:15 Uhr, Pro 7 Maxx]
(USA, AUS, CHINA 2015 | Joel Edgerton)

"Funny Games" [23:00 Uhr, Tele 5]
(Ö 1997 | Michael Haneke)

"Cold in July" [23:40 Uhr, Nitro]
(USA, F 2014 | Jim Mickle)

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MITTWOCH, 28.03.2018

"Richie Rich" [20:15 Uhr, Kabel]
(USA 1994 | Donald Petrie)

"Indochine" [20:15 Uhr, Arte]
(F 1992 | Régis Wargnier)

"Pappa ante portas" [23:00 Uhr, RBB]
(D 1991 | Vicco von Bülow)

"Eine Kindheit in Tiflis" [23:40 Uhr, Arte]
(F, GEOR 2013 | Téona Grenade, Thierry Grenade)

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GRÜNDONNERSTAG, 29.03.2018

"Miss Daisy und ihr Chauffeur" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA 1989 | Bruce Beresford)

"Junges Licht" [22:30 Uhr, Arte]
(D 2016 | Adolf Winkelmann)

"Die Legende von Paul und Paula" [22:50 Uhr, MDR]
(DDR 1973 | Heiner Carow)

"Die purpurnen Flüsse" [23:00 Uhr, Kabel]
(F 2000 | Mathieu Kassovitz)

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KARFREITAG, 30.03.2018

"Jonathan" [20:15 Uhr, Arte]
(D 2016 | Piotr J. Lewandowski)

"The Green Mile" [20:15 Uhr, 3sat]
(USA 1999 | Frank Darabont)

"Der mit dem Wolf tanzt" [20:15 Uhr, Nitro]
(GB, USA 1990 | Kevin Costner)

"The Equalizer" [22:35 Uhr, RTL]
(USA 2014 | Antoine Fuqua)

"Das Gewand" [22:45 Uhr, BR]
(USA 1953 | Henry Koster)

"Im Labyrinth des Schweigens" [22:50 Uhr, ZDF]
(D 2014 | Giulio Ricciarelli)

"All is Lost" [23:10 Uhr, 3sat]
(USA 2013 | J. C. Chandor)

"Der Butler" [23:40 Uhr, ARD]
(USA 2013 | Lee Daniels)

"Der City-Hai" [23:40 Uhr, Tele 5]
(USA 1986 | John Irvin)

"Children of Men" [23:45 Uhr, ZDF NEO]
(USA, GB 2006 | Alfonso Cuarón)

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SAMSTAG, 31.03.2018

"Apocalypse Now"
[00:10 Uhr, ONE]
(USA 1979 | Francis Ford Coppola; Redux)

"Léon - Der Profi" [00:25 Uhr, Kabel]
(F 1994 | Luc Besson)

"Ödipussi" [20:15 Uhr, HR]
(BRD 1988 | Vicco von Bülow)

"Der talentierte Mr. Ripley" [20:15 Uhr, ONE]
(USA 1999 | Anthony Minghella)

"Der Club der toten Dichter" [20:15 Uhr, Sat. 1 Gold]
(USA 1989 | Peter Weir)

"Die Hexen von Eastwick" [22:40 Uhr, Sat. 1 Gold]
(USA 1987 | George Miller)

"Bus Stop" [22:50 Uhr, Servus TV]
(USA 1956 | Joshua Logan)

"Collateral" [23:55 Uhr, Sat. 1]
(USA 2004 | Michael Mann)

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OSTERSONNTAG, 01.04.2018

"Bei Anruf Mord" [00:45 Uhr, Sat. 1 Gold]
(USA 1954 | Alfred Hitchcock)

"Running Scared" [02:00 Uhr, Sat. 1]
(D, USA 2006 | Wayne Kramer)

"Land der tausend Abenteuer" [02:30 Uhr, Sat. 1 Gold]
(USA 1960 | Henry Hathaway)

"Mary Poppins" [20:15 Uhr, Disney Chan.]
(USA 1964 | Robert Stevenson)

"Aus der Mitte entspringt ein Fluss" [20:15 Uhr, Arte]
(USA 1992 | Robert Redford)

"Fluch der Karibik" [20:15 Uhr, Sat. 1]
(USA 2003 | Gore Verbinski)

"Alles steht Kopf" [20:15 Uhr, RTL]
(USA 2015 | Pete Docter)

"Die Zehn Gebote" [20:15 Uhr, ZDF NEO]
(USA 1956 | Cecil B. DeMille)

"Frühstück bei Tiffany" [20:15 Uhr, 3sat]
(USA 1961 | Blake Edwards)

"Tod auf dem Nil" [22:05 Uhr, 3sat]
(GB 1978 | John Guillermin)

"Karawane der Frauen" [22:10 Uhr, Arte]
(USA 1951 | William A. Wellman)

"The Dark Knight" [22:45 Uhr, Pro 7]
(USA, GB 2008 | Christopher Nolan)

"Das Böse unter der Sonne" [22:50 Uhr, SWR]
(GB 1982 | Guy Hamilton)

"Highlander" [23:00 Uhr, Tele 5]
(GB, USA 1986 | Russell Mulcahy)

"Die drei Musketiere" [23:00 Uhr, Sat. 1]
(GB, D, F, USA 2011 | Paul W. S. Anderson)

"Total Recall" [23:05 Uhr, RTL II]
(USA 1990 | Paul Verhoeven)

"Ein Goldfisch an der Leine" [23:45 Uhr, ZDF NEO]
(USA 1964 | Howard Hawks)

rot: besondere Empfehlung vom Autor des Hauses; teils sehr selten oder gar erstmals im TV

[Angaben ohne Gewähr]

Freitag, 23. März 2018

"I, Tonya" [USA 2017]


Zwischen Eiskunstlauf und Boxen besteht die Gemeinsamkeit darin, dass die Beine eine Balance aufrechterhalten müssen. Sich in formbewussten Bewegungen einem tänzerischen Rhythmus hingeben – im Idealfall entsteht daraus eine Musterchoreografie außerirdischer Körperbeherrschung. Aber dafür müssen die Schnürsenkel fest zusammengebunden sein, sonst geraten die Füße außer Kontrolle. Craig Gillespie verweist auf den Blutstropfen, der sowohl im Boxring als auch auf der Eisfläche die Signatur des Willens ist, sich entweder besinnungslos angestrengt zu haben oder in der Niederlage das letzte Aufbäumen verpasst zu haben. Margot Robbie spielt Tonya Harding mit der Grandezza des schlimmstmöglichen Übels, und diese Tonya Harding durchläuft die Zonen der Anstrengung wie des Aufbäumens in ungeahnter Geschwindigkeit: Auf einen Sieg folgt die Sklaverei, auf einen Triumph die harten Schläge. Robbie beweist Mut zur Hässlichkeit, ihr Gesicht ist zerschunden, aufgedunsen und selbstdemontiert – eine blauangelaufene Fratze reliefartiger Verwüstung. 

Was "I, Tonya" nichtsdestotrotz will – es ist unklar. Was ist das für ein Film? Alles quasi. Eine Gangsterfarce, ein Eiskunstlaufsportlerfilm, ein Eheexplosionsdrama, eine musikalische Collage, ein postmodernes Aufstieg- und Fall-Biopic? Alles und noch mehr. "I, Tonya" entführt uns in die Schaltzentrale des angestrengten Filmemachens. Der Fall Tonya Harding – ihrer Konkurrentin wurde vor einem Wettkampf einst das Knie zertrümmert – ist für Gillespie augenscheinlich nicht sättigend genug, um damit einen Spielfilm zu füllen. Also mäandert der Film in den Untiefen des Metakommentars, wenn Gillespie die fiktional aufbereitete Geschichte mit ihrer Fiktionalität konfrontiert und die Beteiligten von einst in oft nichtssagenden, quälend willkürlichen Interviewstrecken zu Wort kommen lässt. Der Schnitt (Tatiana S. Riegel) gewährleistet dabei eine irritierende Schichtung von Material aus erster Hand und der Interpretation des Regisseurs. Wo das Durchbrechen der Vierten Wand aber unlängst zu einer Pose der Poser gerann, so stellt "I, Tonya" klar: Das ist alles cool, hörst du? 

Atmen fällt hier schwer, denn der Wahrheitsbegriff wird überstrapaziert und konstruiert, verflüchtigt sich unter den Spitzfindigkeiten ausgestellter Mutmaßung. "I, Tonya" ist ein aufdringlicher, über Gebühr enervierend sich auf die Schulter klopfender Film, der jede Szene mit Evergreens zukleistert. "Goodbye Stranger" (Supertramp) und "Gloria" (Laura Branigan) sind ohne Zweifel druckvolles Kolorit – und beide Songs neutralisieren die Plumpheit von zwei der eindrucksvolleren Szenen. Gillespie hat sich allerdings zu sehr in seine Jukebox verliebt, die er wahllos betippt (respektive vertippt). Das Resultat tendiert zu einer Martin-Scorsese-Revuenummer, die bei Martin Scorsese nicht bloß eine Nummer ist. Gillespie traut sich ohnehin nie, den beklemmenden Leidensstrapazen zu folgen, der häuslichen Gewalt, der destruktiven Liebe, dem Schmerz, der wehtut und in katatonischer Endlosigkeit verharrt. Es ist eher so, dass der Regisseur jederzeit bereit ist, seine Protagonistin zu verraten, indem er sie im besten Fall ironisch belächelt und, man lese sich die Texttafeln im Abspann durch, im miesesten Fall zynisch verlacht. 

Dazu passt, dass in diesem Film eine nicht einsehbare Anzahl an "Vollpfosten" eben Vollpfostendinge tun, beispielsweise eine Glasscheibe im wahrsten Sinne des Wortes köpfen oder das Auto während einer Observierung auf wechselnde Parkplätze stellen. Sie, diese Möchtegernganoven, bearbeiten ihre Welt mit ihren Mitteln, und Gillespie kann gar nicht genug von ihren Streichen bekommen: Tausendfache Wiederholungen jenes redundanten Hinweises, dass Shawn (Paul Walter Hauser) glaubt (warum auch immer), die ganz bösen Jungs zu jagen, zeigen zeitig Abnutzungserscheinungen. Selbst Allison Janney, die beängstigend ein "Monster" an omnipotenter Verfügungsgewalt auf das Roheste abstrahiert, entspricht einer Spur zu restriktiv dem Filmklischee mütterlicher Autorität. Ob das satirisch aufzufassen ist? Mag sein. Die Mittel, die der Film wählt, reichen aber über (zugegeben: teils komödiantisch herzhaften) Klamauk nicht hinaus. Wenn sich "I, Tonya" auf das Unscheinbare, das Leise bis Stumme besinnt, wenn er eine malträtierte Margot Robbie zeigt, die sich im Spiegel betrachtet und ihre Gedanken erfrieren, dann erst schluckt der Film seinen Narzissmus herunter.

5 | 10

Freitag, 16. März 2018

"The Florida Project" [USA 2017]


Im Schatten des Wunderlandes bekommt der Sommer eine traurige Note. Jeden Tag spielen sie und balgen sich und nerven und betrügen, die Kinder der Sonne. Sie verlieren sich, ohne zu wissen, dass sie jeden Tag überleben. Es liegt eine beißende Ironie in diesem Film, denn einige Gehminuten von Disney entfernt leben, verharren, vegetieren die Ärmsten der Armen in einem Motel. Täglich müssen sie um die Miete feilschen – oder sie aufbringen, erschnorren und ergaunern. Sean Baker erzählt in "The Florida Project" von existenziellem materiellem Abgeschnittensein, von einem ausweglosen Alltag um die Suche nach kleinsten Chancen. Wenngleich die Kinder die Hauptrolle spielen, so skizziert Baker anhand der alleinerziehenden Mutter Halley (Bria Vinaite), wie illusorisch der Weg hinaufführen kann. In wiederkehrenden Fragmenten sehen wir Halley beim Vermindern von Kräften, denen sie nicht standhält – der Kreislauf ist unausweichlich. Beinah zynisch wirkt dabei die retrofuturistische, pastellfarbene Kulisse einer Harmonie, die schreiend, aber doch verloren den Traum eines Versprechens aufrechterhält: Inmitten von orangenförmigen Gebäuden und schrillen Werbetafeln wellt sich das Heilige längst an den Fassaden der Wirklichkeit. 

John Cassavetes hätte Gefallen an "The Florida Project" gefunden. Nicht nur, dass Baker unter den Tisch gekehrte, unliebsame Wunden aufzeigt, indem sich sein Film offenbart, entblößt – ihm geht es gleichfalls um Wahrheitsvermittlung (mit Bakers Worten gesprochen: um eine "popästhetische Wahrheitsvermittlung"), während Gesichter eine Geschichte ihrer selbst entwickeln. Im Faltennacken Willem Dafoes zeigt sich das Gesicht eines Gesichtes, das real ist, zeigen sich die Abnutzungserscheinungen, funktionieren zu müssen und jederzeit abgehangen werden zu können. Die Erwachsenen in diesem Film mögen Leerstellen bleiben (zum Beispiel ein älterer Mann, der sich auffallend zweideutig den Kindern nähert), aber ihre sozialen Herausforderungen in einem Land, das Fortschritt, Leichtigkeit, Seinsvergessenheit predigt, berühren ein ums andere Mal den Schmerz womöglich eigener annähernder Erfahrungen. Moralisch wird Baker hierin nie. Größtenteils beobachtet er, mischt sich nicht ein, die Kamera schlägt keine Haken oder nimmt eine Mitleidsperspektive ein. Stattdessen fixiert Baker das Treiben und Getriebensein, das Anpacken ebenso wie das Einstecken unter der Lupe des Wahrhaftigen. 

Trotz der Schwere der Prämisse ist "The Florida Project" (zu Beginn jedenfalls) ein dezent leichter Film, der jenen Spaß, den die Kinder haben, mühelos auf den Zuschauer zu übertragen vermag. Ob sie auf ein Auto spucken, sich Eis erschwindeln, den Strom des Motels, einem Habitat unendlicher Entdeckermöglichkeiten, abschalten oder gar ein verfallenes Haus anzünden – der Film folgt ihnen auf Schritt und Tritt. Sie avancieren zu Ikonen der Unschuld, lassen sich von Impulsen leiten und durchrennen ein Labyrinth gefährlicher Eventualitäten. Obschon die Bedrohung omnipräsent ist – das Märchen, der Schein, der Rückzug wird von allzu konkretem Hubschrauberrattern durchbrochen –, ist ihre Lust am Spiel ungebrochen. Der Kegel, den sie dabei umrunden oder sich an ihm stoßen, ist der Manager des Motels, Bobby (Dafoe), ganz und gar Pragmatiker, nie zu rechtschaffener Altruist, eben einer von ihnen. Diese Natürlichkeit fungiert als Imperativ, fast zu keiner Zeit große Töne anzuschlagen, auch wenn sich die Eskalationsstufen im letzten Viertel eine Spur zu gezwungen nach oben schrauben. In "The Florida Project" fließen die Tränen der Erkenntnis über eine Erkenntnis, die trotzdem hoffnungsvoll klingt: Selbst ein gefällter Baum wächst unaufhörlich.

6.5 | 10

Sonntag, 11. März 2018

Fernsehtipps Film (12.03. - 18.03.2018)


MONTAG, 12.03.2018

"Eine Bahre für den Sheriff"
[00:05 Uhr, NDR]
(I, E 1965 | Mario Caiano)

"Der Kommissar und sein Lockvogel" [20:15 Uhr, Arte]
(F, I 1970 | José Giovanni)

"Liebling der Frauen" [21:55 Uhr, Arte]
(F, GB 1954 | René Clément)

"Transit Havanna" [23:40 Uhr, Arte]
(D, NL, KUBA 2016 | Daniel Abma)

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DIENSTAG, 13.03.2018

"Der Sohn der Anderen" [00:00 Uhr, WDR]
(F 2012 | Lorraine Lévy)

"Alice im Wunderland" [20:15 Uhr, Disney Chan.]
(USA 2010 | Tim Burton)

"Der Schaum der Tage" [21:50 Uhr, Servus TV]
(F, B 2013 | Michel Gondry)

"My One and Only" [23:40 Uhr, WDR]
(USA 2009 | Richard Loncraine)

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MITTWOCH, 14.03.2018

"Wir waren Könige" [20:15 Uhr, 3sat]
(D 2014 | Philipp Leinemann)

"Die Axt" [22:45 Uhr, Arte]
(F, B, E 2005 | Constantin Costa-Gavras)

"Soul Kitchen" [23:00 Uhr, RBB]
(D, F, I 2009 | Fatih Akin)

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DONNERSTAG, 15.03.2018

"Bad Lieutenant" [00:10 Uhr, BR]
(USA 2009 | Werner Herzog)

"White House Down" [20:15 Uhr, VOX]
(USA 2013 | Roland Emmerich)

"Mr. Collins' zweiter Frühling" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA 2015 | Dan Fogelman)

"Delta Force" [22:00 Uhr, Tele 5]
(USA, ISR 1986 | Menahem Golan)

"Der Untergang" [22:25 Uhr, 3sat]
(D, Ö, I 2004 | Oliver Hirschbiegel)

"Der Paradschanow-Skandal" [23:30 Uhr, Arte]
(UKR, F, GEOR, ARM 2013 | Serge Avedikian, Olena Fetisova)

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FREITAG, 16.03.2018

"Point Break" [20:15 Uhr, RTL II]
(USA, D, CHINA 2015 | Ericson Core)

"Resident Evil: Retribution" [23:25 Uhr, Pro 7]
(USA, D, F, CDN, GB 2012 | Paul W. S. Anderson)

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SAMSTAG, 17.03.2018

"Der Vorleser"
[20:15 Uhr, 3sat]
(USA, D 2008 | Stephen Daldry)

"Brokedown Palace" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA 1999 | Jonathan Kaplan)

"Alle anderen" [21:45 Uhr, ONE]
(D 2009 | Maren Ade)

"Der letzte König von Schottland" [22:05 Uhr, Servus TV]
(GB, USA, D 2006 | Kevin Macdonald)

"Tödliche Nähe" [23:40 Uhr, ZDF NEO]
(USA 1993 | Rowdy Herrington)

"Angst über der Stadt" [23:50 Uhr, RBB]
(F, I 1975 | Henri Verneuil)

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SONNTAG, 18.03.2018

"Tödliche Entscheidung" [00:15 Uhr, MDR]
(USA, GB 2007 | Sidney Lumet)

"King Kong" [01:05 Uhr, ZDF]
(USA, NZ, D 2005 | Peter Jackon; Kinofassung)

"Mel Brooks' Dracula - Tot, aber glücklich" [04:25 Uhr, RTL II]
(USA, F 1995 | Mel Brooks)

"Interstellar" [20:15 Uhr, Pro 7]
(USA, GB 2014 | Christopher Nolan)

"Der Pferdeflüsterer" [20:15 Uhr, Disney Chan.]
(USA 1998 | Robert Redford)

"Killer stellen sich nicht vor" [21:45 Uhr, Arte]
(F 1980 | Jacques Deray)

"Der Gott des Gemetzels" [23:35 Uhr, SWR]
(F, D, PL, E 2011 | Roman Polanski)

rot: besondere Empfehlung vom Autor des Hauses; teils sehr selten oder gar erstmals im TV

[Angaben ohne Gewähr]

Sonntag, 4. März 2018

Fernsehtipps Film (05.03. - 11.03.2018)


MONTAG, 05.03.2018

"Bis zum letzten Mann" [00:05 Uhr, NDR]
(USA 1948 | John Ford)

"Série noire" [20:15 Uhr, Arte]
(F 1979 | Alain Corneau)

"Unser Weg ist der beste" [22:05 Uhr, Arte]
(F 1976 | Claude Miller)

"Das Kaninchen bin ich" [23:05 Uhr, MDR]
(DDR 1965 | Kurt Maetzig)

"Angeklagt - Gewalt in der Ehe" [23:15 Uhr, NDR]
(F, B 2015 | Claude-Michel Rome)

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DIENSTAG, 06.03.2018

"Kriegerin" [00:15 Uhr, ZDF]
(D 2011 | David Wnendt)

"Boy A" [00:35 Uhr, HR]
(GB 2007 | John Crowley)

"Die Addams Family in verrückter Tradition" [20:15 Uhr, Disney Chan.]
(USA 1993 | Barry Sonnenfeld)

"Hijacking" [22:00 Uhr, Servus TV]
(DK 2012 | Tobias Lindholm)

"Lonely Hearts Killers" [22:05 Uhr, Tele 5]
(USA, D 2006 | Todd Robinson)

"Winnie" [23:00 Uhr, Arte]
(F, NL, SAFR, FIN 2017 | Pascale Lamche)

"Vier gegen die Bank" [23:40 Uhr, WDR]
(BRD 1976 | Wolfgang Petersen)

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MITTWOCH, 07.03.2018

"Mission" [00:40 Uhr, ARD]
(GB, F 1986 | Roland Joffé)

"Die unerschütterliche Liebe der Suzanne" [20:15 Uhr, Arte]
(F 2013 | Katell Quilévéré)

"Eine iranische Frau" [22:25 Uhr, Arte]
(IRN 2011 | Negar Azarbayjani)

"Winter's Bone" [22:25 Uhr, 3sat]
(USA 2010 | Debra Granik)

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DONNERSTAG, 08.03.2018

"Shoes" [00:15 Uhr, Arte]
(USA 1916 | Lois Weber)

"Thank You for Smoking" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA 2005 | Jason Reitman)

"Der große Trip - Wild" [20:15 Uhr, Sixx]
(USA 2014 | Jean-Marc Vallée)

"Die Nonne" [23:45 Uhr, RBB]
(F, D, B 2013 | Guillaume Nicloux)

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FREITAG, 09.03.2018

"Der gekaufte Tod" [00:10 Uhr, Arte]
(F, BRD 1980 | Bertrand Tavernier)

"Fatima" [02:15 Uhr, Arte]
(F, CDN 2015 | Philippe Faucon)

"McLintock - Ein liebenswertes Raubein!" [23:30 Uhr, HR]
(USA 1963 | Andrew V. McLaglen)

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SAMSTAG, 10.03.2018

"Paris, Texas"
[20:15 Uhr, 3sat]
(BRD, F, GB, USA 1984 | Wim Wenders)

"The Boy" [20:15 Uhr, RTL II]
(USA, CHINA 2016 | William Brent)

"Der Klient" [20:15 Uhr, ZDF NEO]
(USA 1994 | Joel Schumacher)

"One Hour Photo - Ich beobachte dich" [20:15 Uhr, Servus TV]
(USA 2002 | Mark Romanek)

"Mona Lisa" [22:00 Uhr, Servus TV]
(GB 1986 | Neil Jordan)

"The Magic of Belle Isle" [23:40 Uhr, ARD]
(USA 2012 | Rob Reiner)

"Challenger - Ein Mann kämpft für die Wahrheit" [23:45 Uhr, RBB]
(GB, USA 2013 | James Hawes)

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SONNTAG, 11.03.2018

"The International" [00:15 Uhr, Sat. 1]
(USA, D, GB 2009 | Tom Tykwer)

"Das Messer" [00:40 Uhr, MDR]
(USA 1985 | Richard Marquand)

"Blues Brothers" [05:30 Uhr, RTL II]
(USA 1980 | John Landis)

"Ant-Man" [20:15 Uhr, RTL]
(USA 2015 | Peyton Reed)

"Endstation Schafott" [20:15 Uhr, Arte]
(F, I 1973 | José Giovanni)

"Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" [20:15 Uhr, Tele 5]
(USA, F 1993 | Mel Brooks)

"Der große Gatsby" [20:15 Uhr, Sixx]
(AUS, USA 2013 | Baz Luhrmann)

rot: besondere Empfehlung vom Autor des Hauses; teils sehr selten oder gar erstmals im TV

[Angaben ohne Gewähr]